Rita

Waschbüsch

© Zeitzeug:innen im Saarland

Der Weg in die Politik war für Rita Waschbüsch kein vorgefertigter Plan. Überraschend, dass sie 1974 eine der wenigen weiblichen Ministerinnen in der Bundesrepublik Deutschland wurde.

Rita Waschbüsch wurde am 22. Mai 1940 in Landsweiler bei Lebach geboren.

"1949 hatte mein Bruder Kommunion und meine Mutter war ganz stolz, dass sie aus irgendeiner Ecke - ich weiß nicht mehr woher - Maismehl bekommen hatte, um zwei Kuchen zu backen für diese Feier. Das ist haften geblieben. Da weiß ich heute noch, dass das eine Kirschkuchen und das andere Apfelkuchen war."

Rita Waschbüsch zur Nachkriegszeit

Die Saarabstimmung 1955 trieb die junge Erwachsene in Richtung Politik. So engagierte sie sich bereits im Alter von 16 Jahren in der kirchlichen Jugendarbeit. 1961 erfolgte der Eintritt in die CDU.

Nach der Mittleren Reife erwarb sie die Lehrbefähigung für katholische Religion und unterrichtete an Grundschulen. Ihr Ehemann – den sie mit 18 Jahren heiratete – war ebenfalls Lehrer und unterstützte sie in ihrer politischen Laufbahn.

1970 zog sie in den saarländischen Landtag ein, vier Jahre später berief sie der damalige Ministerpräsident Franz-Josef Röder in sein Kabinett als Ministerin für Familie, Gesundheit und Sozialordnung. Für die junge Rita Waschbüsch war dies sicherlich keine leichte Aufgabe als bisher jüngste Ministerin in der BRD, die auch mit vielen Vorurteilen gegenüber Frauen und Müttern in der Politik behaftet war. Doch sie engagierte sich in ihrem Posten sehr für die Familie und Fürsorge: Durch sie entstanden die ersten Sozialstationen im Saarland und die Familienplanung wurde finanziell unterstützt.

Nach dem Ende des Kabinetts wurde sie 1978 zur Vizepräsidentin des Saarländischen Landtags ernannt. Diesen Posten hatte sie bis 1994 inne.

In dieser Zeit machte sich Rita Waschbüsch vor allem in der Katholischen Kirche stark, war von 1988 bis 1997 die erste weibliche Vorsitzende des Zentralkomitees deutscher Katholiken nach dem Zweiten Weltkrieg. Zwei Jahre später war sie eine der Gründer:innen des Schwangerschaftsberatungsvereins „donum vitae“, welcher der Katholischen Kirche nahe steht. Dort übernahm sie bis 2019 den Posten als 1. Vorsitzende.

Wegen ihres sozial-politischen und gesellschaftlichen Engagement bekam Rita Waschbüsch nicht nur den Saarländischen Verdienstorden überreicht, sondern auch das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Lebensstationen

Kindheit und Schulzeit

1940: Geburt in Landweiler bei Lebach

Erwerb Mittlere Reife

 

Ausbildung und berufliche Laufbahn

Erwerb Lehrbefähigung katholische Religion

Bis 1970: Lehrerin an Grundschulen

 

Politische Laufbahn

1970-1978: Sitz im Saarländischen Landtag

1974-1978: Ministerin für Familie, Gesundheit und Sozialordnung

1978-1994: Vizepräsidentin des Saarländischen Landtages

Soziales und gesellschaftliches Engagement

Kirchliche Jugendarbeit

1988-1997: Vorsitzende Zentralkommitee deutscher Katholiken

1999-2019: 1. Vorsitzende donum vitae

Ehrungen

1975: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

1999: Saarländischer Verdienstorden

2004: Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Steckbrief

Geboren:

1940

Geburtsort:

Landsweiler bei Lebach

Thema:

Politik, Gesellschaft

Funktion:

Lehrerin, Politikerin, Ehrenamtliche

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