1968 - Ein eigener Musikpreis für das Saarland

© Ferdinand Hartung

Ein eigener Musikpreis zur Unterstützung und Würdigung der deutschen Musikindustrie, das war der Plan, den der damalige SR-Intendant Dr. Franz Mai im Hinterkopf hatte. Schon 1964 hatte man mit der Schaffung und Etablierung der „Europawelle Saar“ einen Sender geschaffen, bei dem die Musik im Vordergrund stand und die ihre Discjockeys zu regionalen Berühmtheiten machte. Der saarländische Musikpreis war ein weiterer Coup des innovativen Saarländischen Rundfunks. 

By Zeitzeug:innen

Die meisten in den 50er Jahren geborenen Saarländer:innen schwärmen bis heute von Sendeformaten wie „Hallo Twen“ mit Manfred Sexauer oder der „Deutschen Schlagerparade“ mit Dieter Thomas Heck. Die Entstehung der „Goldenen Europa“ war eng verbunden mit der „Deutschen Schlagerparade“ – der später deutschlandweit erfolgreiche Heck war Mit-Initiator und Moderator der Verleihung.   Dahinter steckte anfangs die Absicht auf diese Weise die deutsche Musikindustrie gegen die große Konkurrenz aus den USA und dem Vereinigten Königreich zu stärken, sehr zur Freude der Deutschen Plattenindustrie, die das Vorhaben finanziell unterstützte.

Der saarländische Künstler und Bildhauer Herbert Strässer wurde beauftragt den Entwurf für die Trophäe zu machen. In Kooperation mit dem Deutschen Filmball wurde der Preis 1968 zum ersten Mal verliehen, in den beiden ersten Jahren noch in der Rheingoldhalle in Wiesbaden. Am Anfang legte man bei der Auswahl der Preisträger das Augenmerk auf junge Talente, die noch am Anfang ihrer Karriere standen und zeigte dort oft Weitsicht und gutes Gespür. Preisträger:innen waren bei der ersten Verleihung Udo Jürgens, der in den Folgejahren insgesamt achtmal ausgezeichnet werden sollte sowie Roy Black, Vicky Leandros und Rex Gildo, die alle sehr erfolgreiche Karrieren im Schlagerbusiness verzeichnen konnten. Schon ab 1970 verlegte man den Ort der Verleihung in die Saarlandhalle nach Saarbrücken. Danach erfolgte die Vergabe der Preise für einige Jahre in einem kleinen exklusiven Rahmen ohne großes Publikum im SR-Konferenzgebäude, bis man wieder zurück in die Saarlandhalle zog, um bis zuletzt dort zu bleiben. Ab 1981 wurde die Verleihung live auch in der ARD übertragen.

Hatte man sich anfangs noch aus guten Gründen auf die Verleihung an Deutsche Musiker:innen beschränkt, kam man in den Folgejahren nicht drum herum die ausländischen Märkte mit einzubeziehen und neue Kategorien zu schaffen. So wurden die Preiskategorien nach und nach erweitert um die Sparten Unterhaltung, Comedy, Sport, Schauspiel und klassische Musik. So schaffte man es über Jahrzehnte internationale Größen aus dem Showbiz ins beschauliche Saarland zu locken und das saarländische Publikum zu begeistern, darunter Leonard Bernstein, Shirley Bassey, Peter Ustinov, a-ha oder Shakira.

Der Spiegel bezeichnete den vom SR verliehenen Fernsehpreis in einer Ausgabe einmal als eine Art „deutscher Oscar“. Verliehen wurde er bis 2003, danach wurde „die Mutter aller deutschen Radio- und Fernsehpreise“ aufgrund stetig steigender Kosten und abnehmendem Interesse eingestellt. Die Erinnerungen daran leben jedoch weiter.

Heintje-Auftritt bei der Goldenen Europa 1969

Heintje-Auftritt bei der Goldenen Europa 1969