1974 - Die Gebiets- und Verwaltungsreform ordnet das Saarland neu

© Staatskanzlei des Saarlandes

345 Gemeinden hatte das Saarland sellemols, ein wahrer Flickenteppich an Klein-und Kleinstverwaltungen, die zum Teil zu klein und zu finanzschwach waren, um allen Aufgaben gerecht zu werden. Daher wurden 1972 die Weichen gelegt für eine umfassende Gebietsreform des gesamten Saarlandes, in dem man die Rahmenbedingungen für eine solche Neustrukturierung festlegte.

By Zeitzeug:innen

Die Reform, die saarländische Verwaltungen moderner und effizienter machen sowie Kosten einsparen sollte, stieß selbstredend nicht überall auf Zustimmung. Schließlich brachte sie gewaltige Veränderungen mit sich. 341 der 345 saarländischen Gemeinden wurden im Zuge der Neuordnung aufgelöst und zu 50 Verbandsgemeinden zusammengelegt. Gerade kleinere Ortschaften fühlten sich dadurch entmachtet, fürchteten um ihre Eigenständigkeit und Identität. Die Folge waren zahlreiche Klagen vor Verfassungs- und Verwaltungsgerichten sowie die Gründung von Bürgerinitiativen. Zu stoppen war die Neuordnung jedoch nicht.

Die neuen Gemeinden sollten nicht weniger als 6000 Einwohner haben und im Mittel zwischen 8000 und 15.000 Bürger:innen zählen. Auch die Landkreise wurden neu geordnet, sie sollen zukünftig 8 bis 15 Gemeinden umfassen mit 150.000 Einwohnern als Regelwert. Dadurch senkt sich die Zahl der Landkreise von sieben auf fünf, wobei Ottweiler seinen Status als Kreisstadt verliert und an den Kreis Neunkirchen angeschlossen wird. Das Autokennzeichen OTW verschwand in der Folge von den saarländischen Straßen – die Ottweiler Autofahrer:innen trugen ab  Januar 1974 NK auf ihren Kennzeichen. Sankt Ingbert und Homburg wurden zum Saar-Pfalzkreis zusammengelegt, wobei die Sankt Ingberter:innen ihr Autokennzeichen im Gegensatz zu den Ottweiler:innen behalten durften.

Die gravierendsten Veränderungen gab es in der Umstrukturierung des Großraums Saarbrücken. Der Stadtverband Saarbrücken wurde geschaffen und ersetzte damit den Kreis sowie die kreisfreie Stadt Saarbrücken. Der neu geschaffene Stadtverband setzte sich aus sechs Städten und fünf Gemeinden zusammen. Dudweiler war mit rund 30.000 Einwohner:innen die größte Gemeinde, die an die Landeshauptstadt Saarbrücken angeschlossen wurde. Ziel der Neuordnung war hier nicht nur die Modernisierung, sondern auch die Stärkung der saarländischen Metropole zu einer pulsierenden Hauptstadt. Durch die Zusammenlegungen wuchs die Fläche der Stadt Saarbrücken um 217%, die Einwohnerzahl stieg auf 210.000. Dies machte Saarbrücken zur Großstadt und bot mehr Platz für Industrie- und Gewerbeflächen im Stadtgebiet.

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