1994 - Die Völklinger Hütte wird das erste UNESCO-Weltkulturerbe des Saarlandes

© Fritz Mittelstaedt

1994 schrieb die 1986 stillgelegte Völklinger Hütte Geschichte, als sie als erste reine Industrieanlage zu einem der wichtigsten Kulturdenkmäler der Welt auserkoren wurde. Diese Ehre war zuvor nur bedeutenden Kathedralen und pittoresken Altstädten zu Teil geworden. Damals war die Liste der Kulturdenkmäler noch recht überschaubar und bei der Verkündung der Wahl am 17. Dezember in Thailand konnten sich bislang nur 14 deutsche Objekte mit dem Titel Weltkulturerbe schmücken.

By Zeitzeug:innen

Zu dem damaligen Zeitpunkt war der Erhalt der Völklinger Hütte recht umstritten. Viele wollten das „rostige Ding“ nicht länger im Stadtbild sehen. Für andere war der Koloss aus Stahl und Eisen jahrelanger Lebensmittelpunkt und Brotgeber gewesen, man hatte hier seine Tage verbracht, Freunde gefunden, das Leben aufs Spiel gesetzt. Die Ernennung zum UNESCO-Weltkulturerbe rettete diesem Bauwerk das Leben. Aufgrund dieser Entscheidung ist die Völklinger Hütte heute das weltweit einzige Hüttenwerk, das vollständig erhalten ist und erfreut jedes Jahr zahlreiche Besucher – nicht nur als Schauplatz der Industrialisierung, sondern auch als Ort für zahlreiche Kulturveranstaltungen wie Ausstellungen und Konzerte.

Bereits 1873 von Hütteningenieur Julius Buch gegründet, musste die „Völklinger Eisenhütte bei Saarbrücken, Actiengesellschaft für Eisenindustrie“ schon 1878 wieder schließen, da nach Abschaffung der Einfuhrzölle ausländische Erzeugnisse günstiger waren als vergleichbare deutsche Produkte.

1881 kaufte der Kaufmann Carl Röchling das damals marode Werk und baute daraus ein florierendes Unternehmen, das bis zu seiner Schließung 1986 in Folge der Stahlkrise eng mit der Familie Röchling verbunden bleiben sollte. Bis zur Mitte der 1970er Jahre waren Stahl und Kohle ein einträgliches Geschäft. Als 1975 die Stahlkrise die Welt und besonders auch das wirtschaftlich fast ausschließlich von Kohle und Stahl geprägte Saarland erschütterten, blieb auch die Völklinger Hütte nicht verschont. 1971 bereits fusionierte man mit der Burbacher Hütte zur „Stahlwerke Röchling-Burbach GmbH“, doch das konnte die Folgen der Stahlkrise kaum abfedern. Man setzte in den Folgejahren auf modernste Technologien und übertrug die Geschäftsführung Anfang der 1980er Jahre der Dillinger Hütte. Das Unternehmen hieß von nun an „Saarstahl Völklingen GmbH“. Doch die Stahlkrise schritt weiter voran und forderte zahlreiche Entlassungen, bis am 4. Juli 1986 schließlich der letzte Hochofenabstich durchgeführt wurde. Der Zeitzeuge Manfred Baumgärtner war einer der letzten, die einen Abstich am Hochofen durchführten.

Die Ernennung zum Weltkulturerbe erhält nicht nur dieses einmalige Industriedenkmal am Leben, das zahlreiche Saarländer:innen in Lohn und Brot brachte, sondern ist eine besondere Auszeichnung für die Stadt Völklingen und eine Chance, Leben in die einstige Industriehochburg zu bringen.

Völklingen sellemols

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