1969 - Die Soldatenmorde von Lebach erschüttern das Saarland

© Ferdinand Hartung

Es war wohl eines der schlimmsten Verbrechen, die das Saarland bis heute erlebt hat. Bei einem Überfall auf das Wachdepot der Bundeswehrkaserne in Lebach starben vier der fünf wachhabenden Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 261. Die Motive für die brutale Tat blieben lange unklar.

By Zeitzeug:innen

Die Täter drangen in der Nacht des 20. Januar 1969 in das Wachhäuschen der Kaserne ein, als vier der Wachhabenden sich zur Ruhe gelegt hatten. Dieses Wachvergehen der Soldaten gegen die Vorschriften kostet sie das Leben. Einer der Täter schoss auf die vier schlafenden Kameraden, während ein zweiter Täter den fünften Mann, der sich im Aufenthaltsraum befand, überraschte und außer Gefecht setzte. Drei der schlafenden waren sofort tot, zwei Männer werden schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht, wo einer von Ihnen sechs Wochen später seinen Verletzungen erliegt. Die beiden Täter erbeuteten bei dem Überfall Munition und Waffen sowie die Wachbücher der Kaserne.
Nach der Tat wendete sich der saarländische Ministerpräsident Franz-Josef Röder in einer Fernsehansprache an die saarländische Bevölkerung und versprach alles zu tun, um das schreckliche Verbrechen aufzuklären.
Lange unklar war das Motiv des Überfalls. Die Brutalität mit der dieser durchgeführt wurde im Verhältnis zum eher geringen Wert der Beute irritierte die Ermittler. Es wurde zunächst in verschiedene Richtungen ermittelt, die sich jedoch alle als Sackgassen entpuppten. Die Täter schrieben indes die Redaktionen der Bildzeitung und des Spiegels an und gaben sich als Mitglieder der sizilianischen Mafia zu erkennen. Um ihre Behauptungen zu verifizieren, legten sie ihren Schreiben kopierte Seiten der gestohlenen Wachbücher bei. Unter dem Decknamen „Dr. Sardo“ versuchten sie weitere Verbrechen zu begehen, wie die Erpressung eines Münchener Finanzmaklers, der sich jedoch nicht einschüchtern ließ und die Polizei einschaltete. Am 22. April führte die Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ schließlich zu weiteren Hinweisen. Die bekannte Bonner Wahrsagerin Madame Buchela, die beinahe ebenfalls ein Opfer des „Dr. Sardo“ geworden wäre und an diesem Abend den Fernseher eingeschaltet hatte, konnte wertvolle Hinweise zur Ergreifung der Täter geben.
Schließlich konnten die beiden Täter sowie ein Mittäter überführt werden und wurden 1970 in Saarbrücken vor Gericht gestellt. Aufgrund des großen Interesses der Bevölkerung an dem Fall entschloss man sich, die Verhandlungen in der Kongresshalle zu führen. Zwei der Angeklagten waren Soldaten gewesen, weshalb sie darum wussten, dass der Wachdienst nicht sehr ernst genommen wurde und ein Eindringen aufs Gelände kein Problem darstellte. Die Morde hatten die Täter nur begangen, um sich bei ihren späteren Erpressungsversuchen auf die Tat und die Brutalität der Durchführung zu berufen. Die kopierten Seiten der Wachbücher sollten dabei ihre Täterschaft beweisen. Die beiden Täter wurden zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt, der dritte Mann, der aus Gewissensgründen nicht an den Morden in der Kaserne beteiligt war, wurde als Mittäter zu sechs Jahren Haft verurteilt. 
 

Die Soldatenmorde von Lebach

Die Soldatenmorde von Lebach